Ein Leben ausserhalb unserer Gesellschaft
- ufithun
- vor 6 Tagen
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12.Januar 2026
Die kurdische Familie ist aus der Türkei geflüchtet und lebt mit drei Kindern im Schul- und Vorschulalter in Langzeitnothilfe im Rückkehrzentrum Enggistein.
Der Vater schreibt:
Trotz der Unterstützung von Freundinnen und Freunden ist unser Leben im Rückkkehrzentrum sehr belastend. Seit fast zwei Jahren leben wir zu fünft in einem einzigen Zimmer, teilen Küche, Bad und Aufenthaltsraum mit immer wieder anderen Mitbewohnenden. Privatsphäre gibt es kaum und die Kinder haben keinen Ort, wo sie ungestört Schulaufgaben machen können.
Das Zentrum ist zwar schön gelegen, aber weit ab von Schule, Einkaufsmöglichkeiten und sozialen Treffpunkten. Kontakte mit Menschen ausserhalb des Zentrums sind so nur schwer möglich. Diese Lebensumstände fordern zunehmend ihren Tribut: die Kinder schlafen schlecht, sind nervös und oft krank. Auch wir Eltern haben mit pysischen und psychischen Problemen zu kämpfen (Depressionen, Herz-Kreislaufproblemen, Schlafstörungen...). Unser Rekurs gegen den abgelehnten Asylantrag liegt seit über einem Jahr beim Bundesverwaltungsgericht und niemand weiss, wie lange es noch dauert bis zum Entscheid. Für uns ist diese Situation kaum zu ertragen.
Wie schön wäre es, in eine eigene Wohnung ziehen zu können!
Wir bitten Sie deshalb inständig, dies möglich zu machen. Wir dürften ein normales Leben führen und unsere Fähigkeiten der Schweiz zur Verfügung stellen.
Herzlichen Dank für Ihre Hilfe!
Alexander Ott, ehemaliger Chef der Fremdenpolizei der Stadt Bern spricht nach 36 Dienstjahren über Herausforderungen und Lösungsansätze im Umgang mit Menschen, die ihre Heimat verlassen mussten
Im Interview mit der Zeitung "der Bund" vom 31.12. 2025 plädiert Herr Ott für ein Chancenaufenthaltsrecht und sagt :"Warum gibt man Menschen, die bereits in der Schweiz sind, nicht die Möglichkeit, eine Ausbildung für Tätigkeiten im Niedriglohnbereich zu machen?" In Deutschland gibt es ein solches Chancenaufenthaltsrecht, dieses bietet Sans-Papiers die Gelegenheit, innerhalb von achtzehn Monaten ihren Lebensunterhalt zu sichern, die Sprache zu lernen, um ihren Aufenthalt zu legalisieren.
Das Neue Jahr hat gerade begonnen, es stellt uns von Anbeginn fundamentale Fragen, unlösbar scheinende Aufgaben, grösste Herausforderungen.
Wie möchte ich selber behandelt werden als Mensch, als Bewohner, Bewohnerin unseres Landes, als Teil unserer Gesellschaft - daran sollten wir messen, was wir anderen zumuten wollen.
Ich wünsche den Leserinnen und Lesern unserer Beiträge ein Jahr voller Hoffnung und Lichtblicken, den Mut Neues zu denken und verkrustete und verschüttete Strukturen aufzubrechen.
Ursula Fischer, ag-nothilfe




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