• Rahel Weiss

Covid19 und wir


Ich bin eine abgelehnte Tibeterin und lebe seit sieben Jahren in der Schweiz. Seit drei Jahren arbeite ich als freiwillige Mitarbeiterin im Altersheim. Ich liebe die Arbeit mit den alten Leuten sehr, aber leider darf ich wegen Covid19 im Moment nicht ins Altersheim zur Arbeit gehen. Ich vermisse "meine" alten Leute sehr. Diese Krankheit macht vielen Menschen Angst; sie verbreitet Panik, macht traurig und einsam. Viele können nicht arbeiten gehen, man darf Eltern oder Kinder nicht besuchen, kann nicht reisen sondern soll möglichst zu Hause bleiben. Diese Situation ist für mich nicht neu - seit vielen Jahren sieht mein Leben genau so aus. Ich habe zwei Kinder. Sie sind in meiner Heimat und ich habe sie acht Jahre lang nicht gesehen und nichts von ihnen gehört. Ich hoffe und bete, dass sie gesund sind. Ich kann gut Deutsch sprechen, schreiben und verstehen. Aber leider ist es mir nicht erlaubt zu arbeiten und meinen Lebensunterhalt selbst zu verdienen. Auch reisen darf ich nicht, auch nicht innerhalb der Schweiz.


Im Asylzentrum, wo ich mit drei Frauen in einem kleinen Zimmer lebe, habe ich eine syrische Familie kennen gelernt, eine Mutter mit ihren zwei Kindern. Sie leben seit drei Jahren in der Schweiz. Im Moment wohne ich bei dieser Familie, denn wegen der Covid-19-Pandemie müssen die Kinder jetzt zu Hause lernen. So kann ich den Kindern jeden Tag mindestens fünf Stunden beim Lernen helfen und wir arbeiten sehr gut zusammen. Es ist schön, wie gut wir uns verstehen, obwohl wir aus ganz verschiedenen Kulturen mit unterschiedlichem sozialen Hintergrund kommen. Aber wir alle sind Menschen. Ich bete aus tiefstem Herzen, dass diese Krankheit bald vorübergehen wird, damit die Leute wieder normal leben können. Aber ich hoffe auch und wünsche mir, dass durch diese neue schlimme Erfahrung jeder Einzelne sich jetzt vorstellen kann, was es heisst, allein und ungeschützt zu sein. Vielleicht kann daraus etwas Verständnis wachsen für die Situation von uns abgewiesenen Asylbewerbern. Lasst uns positiv denken, uns gegenseitig helfen und vor allem die Hoffnung nicht verlieren! Die Hoffnung ist unsere Kraft!


Verfasserin: Dolma, Kanton Bern

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Ursula Fischer

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