• Rahel Weiss

Keine Zukunft für mich und meine Söhne

Ich Pechu, schreibe diesen Artikel speziell für Leute der Schweizer Bevölkerung, die keinen direkten Kontakt mit Flüchtlingen haben.

Seit 2013 bin ich unterwegs, ich befinde mich im Flug und habe bis jetzt keinen Landeplatz gefunden. Wie lange noch müssen wir in dieser schwierigen Situation leben? Ich bin überrascht, dass die Schweiz ein humanitäres Land ist, denn ich soll einen Beweis erbringen, der unmöglich zu haben ist. Hier in der Schweiz setzt mich die Regierung immer noch unter Druck, das kann meine Familie in Tibet in Lebensgefahr bringen.

Ich fühle mich nicht verstanden. Der Interviewer glaubt mir nicht. Er hat eine andere Meinung von meiner Geschichte, ein anderes Wissen. Ich werde als Flüchtling abgelehnt.

So ist es mir passiert. Das Leben in der Schweiz und das Leben in Tibet ist ganz anders. Zum Beispiel: In diesen 7 Jahren in der Schweiz ist mein Gehirn, mein Denken grösser geworden als in den 28 Jahren, in denen ich in Tibet lebte. Ich habe zum ersten Mal eine Schule besucht, manche von meinen anderen Mitschülern sind schon früher zur Schule gegangen, einige waren gut ausgebildet. Deshalb ist es für mich schwierig eine Frage zu beantworten, die nichts mit meinem früheren Leben zu tun hat.

Das Wissen der Gelehrten des SEM, die mich im Interview prüften, stimmt nicht

mit meinem Wissen überein. Ich bin nicht in der Lage über genaue Details aus Tibet, die Geographie, die Namen der Berggipfel Auskunft zu geben. Sie unterstellen mir, dass ich entweder in Indien oder Nepal gelebt habe. Wir müssen durch diese zwei Länder ausreisen, aber ich habe dort nie Asyl erhalten.

Im Moment als ich meine Familie und mein Heimatland verlassen habe, war ich in grosser Panik. Ich hatte keine Zeit, meine Identitätskarte und Dokumente einzupacken. Die grosse Bedrohung ist, von der chinesischen Polizei erwischt zu werden.

Ich bin nicht als Touristin hier hergekommen und konnte mich nicht vorbereiten. Ich bin auch jetzt nicht in der Lage Dokumente zu beschaffen, um meine Identität zu beweisen. Die chinesische Regierung hat viele Beschränkungen auferlegt.

Es ist bekannt, dass China die Menschenrechte nicht achtet und dass Gewalt ausgeübt wird gegenüber tibetischen Menschen. Offizielle Dokumente aus einem so eingeschränkten Land zu erhalten, ist nicht möglich. Ich versuche mein Bestes, um eine Bestätigung von meinem Dorfoberhaupt zu erhalten.

Aber das SEM Personal will diese Papiere nicht einmal prüfen. Sie zwingen mich und meine Familie in eine schwierige Situation. Manchmal habe ich wirklich das Gefühl, dass ich immer noch in einem Land unter kommunistischer Führung lebe.

Ich habe schon viele Male in Details meine Lage im Asylzentrum erklärt. Seit 2015 erhalten meine Söhne und ich Nothilfe. Wir teilen uns zu viert ein Zimmer in der Asyl-Unterkunft; mit den 6.50 Franken pro Person, die wir als Familie erhalten, kann ich meinen Kindern kaum gerecht werden.

Ich bin Mutter von zwei Kleinkindern, die Situation belastet meine Kinder sehr.

Ihr könnt euch nicht vorstellen, dass mein Lebenspartner und ich am Abend das WC als Wohnzimmer nutzen müssen, damit die Kinder ungestört schlafen können.

Das Leben mit der unvorhersehbaren Situation wegen COVID-19 ist für mich kein neues Gefühl. Meine Zukunft ist seit 2015 unvorhersehbar.

Schließlich möchte ich durch dieses Schreiben die Bevölkerung und die Regierung bitten für uns einen anderen Weg zu suchen, damit wir nicht in ein Rückkehrzentrum gehen müssen. Ein solches Zentrum ist keine Lösung für Flüchtlinge aus dem Tibet. Wir können nicht zurück nach Tibet reisen.

Bitte finden sie eine Lösung für uns, damit wir in eine lebenswerte Zukunft blicken können.

Pechu Z.

abgewiesene Asylsuchende aus Tibet


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Ursula Fischer

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